Anna Konjetzky - wah-wah


Foto: Franz Kimmel

 

Ein Tanzprojekt von Anna Konjetzky für 6 TänzerInnen und 1 Musiker

 

In wah-wah lässt Anna Konjetzky das Publikum wie durch ein Mikroskop auf  sechs Tänzerinnen und Tänzer blicken. Ein Kaleidoskop von Aggregatszuständen, von Konstellationen eröffnet sich dem Betrachter. Wie in einer chemischen Reaktion verbinden sich die Körper, pulsieren gemeinsam, stoßen sich ab, vereinzeln und umkreisen sich, werden wieder zueinander gezogen.

Fast amorph hebt wah-wah an: Die TänzerInnen ein Schwarm, der einer nicht bestimmbaren, doch immanenten Ordnung zu folgen scheint, einem un- oder vorbewussten Impuls, der beständige Kettenreaktionen auslöst und fließend immer neue Anordnungen der Körper untereinander hervorbringt. Bis der Schwarm in seine einzelnen Bestandteile zerfällt, Soli und Duette entstehen lässt. Irritationen kommen auf, Körper blockieren sich, ziehen sich an, stoßen sich ab, übernehmen das Bewegungsrepertoire des Gegenübers, neigen sich einander zu, erschöpfen sich, um wieder einen gemeinsamen Rhythmus, ein energiegeladenes, verbindendes Ganzes zu bilden, das sich zunehmend verdichtet. Das Geschehen auf der Bühne gleicht so dem Prinzip eines schwarzen Lochs, das an seinen Rändern alles in Bewegung geraten lässt, um es schließlich zu verschlucken, mit sich zu verschmelzen und so eine noch höhere Dichte zu erzeugen – Schicht um Schicht, Loop um Loop.

„Es ist wie ein stream of conciousness, übertragen auf das Verhalten von Körpern zueinander. Jede Aktion, jede Konstellation ruft Veränderungen hervor, die ablaufen und Wellen schlagen und so wieder neue Verbindungen eingehen, neue Konfigurationen kreieren. Es geht um das Entstehen von Gemeinschaft, um die Entstehung und Bewegung von (gesellschaftlichen) Systemen und die Frage, bis wohin Individuen das System kreieren und ab welchem Punkt das System eine Form von Selbstdynamik entwickelt, die so zwingend ist, dass diese das Individuum formt.“ (Anna Konjetzky)

wah-wah lotet so das Entstehen von Gemeinschaft in einer inhaltlich offenen Form aus; es ist ein Versuchslabor von möglichen Zuständen und Dynamiken der Entstehung von „Masse“, deren Zuschreibung sowohl positive als auch negative Aspekte abdeckt. Offenheit ist das Prinzip, auf dem
wah-wah inhaltlich, räumlich und tänzerisch basiert. Hier wird nicht mehr, wie in Konjetzkys Produktionen chipping (2014) oder Die Summe der Öffnungen (2010) eine massive und dezidierte Raumarchitektur erschaffen, die die Bewegungen der
TänzerInnen bestimmt und fordert. Vielmehr lenkt der achteckige Bühnenraum das Geschehen ganz auf die Körper und ihr Verhältnis untereinander.


„In tänzerischer Hinsicht interessiere ich mich für einen sehr offenen Körper, also einen Körper, dem etwas Großzügiges und Mitreisendes anhaftet. Einen Körper, der nicht auf sich konzentriert ist, sondern sich in ständigem Abgleich mit seiner Umgebung befindet, beständig die Bewegungen der anderen übernimmt, filtert, verändert.“ (Anna Konjetzky)   

 

Choreografie / Künstlerische Leitung: Anna Konjetzky
Tanz: Viviana Defazio, Sahra Huby, Michele Meloni, Quindell Orton, Damiaan Veens, Jascha Viehstädt
Musik: Brigitta Muntendorf
Bühne / Kostüm: Linda Sollacher

Licht: Wolfgang Eibert
Dramaturgische Beratung: Sarah Israel
Projektleitung: Hannah Melder

 

Uraufführung:  22. Oktober in den Münchner Kammerspielen


Dieses Projekt wird gefördert von / ermöglicht durch: Landeshauptstadt München, Kulturreferat, Bayerischer Landesverband für zeitgenössischen Tanz (BLZT) aus Mitteln des Bayerischen Staatsministeriums für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst. Mit freundlicher Unterstützung durch: MeetFactory Prag, Kunstencentrum BUDA Kotrijk, Muffathalle München. „wah-wah“ ist eine Produktion von Anna Konjetzky und den Münchner Kammerspielen.