
TANZ & ELTERNSCHAFT
Tanz & Elternschaft ist eine Initiative des Tanzbüro München, die sich mit den Arbeits- und Lebensrealitäten tanzschaffender Eltern auseinandersetzt. Ziel ist es, langfristig nachhaltige Strukturen, Austauschformate und Unterstützungsangebote für Eltern in der freien Tanzszene zu entwickeln. Das Projekt soll dazu beitragen, Barrieren sichtbar zu machen, Bedarfe zu formulieren und Perspektiven für eine familienfreundlichere Tanzlandschaft zu eröffnen.
Theaterschaffende Eltern verzeichnen jährliche Verdiensteinbußen von ca. 8000 Euro im Vergleich zu ihren kinderlosen Kolleg:innen. Fast jede:r Theaterschaffende:r mit Kindern hat wegen der elterlichen Pflichten schon einmal Jobmöglichkeiten ablehnen müssen. Und fast die Hälfte von ihnen geben ihre künstlerische Tätigkeit vollkommen auf.
Diese Ergebnisse von Langezeitstudien der Initiative PiPa – Parents & Cares in Performing Arts (UK) entlarven eindrücklich die strukturelle Benachteiligung und die prekären Lebens- und Arbeitsrealitäten, der Künstler:innen mit Kindern ausgesetzt sind. Für Freischaffende potenzieren sich diese Probleme noch einmal. Sich mit Care-Arbeit widersprechende Arbeitszeiten und -bedingungen, unflexible Förderprogramme sowie die immer noch existenten Gender Pay und Gender Care Gaps haben sich als systemische Hindernisse für Eltern und insbesondere Mütter herauskristallisiert.
Spätestens seit dem Anstoß durch die Münchner Choreografin und Mutter Ceren Oran mit
SESSIONS Nr. 4 – Parenthood und Dance (2023) verfolgen wir intensive Anstrengungen, um das Thema Tanz und Elternschaft innerhalb des Tanzszene sowie auf institutioneller und kulturpolitischer Ebene stark zu machen. Der große Aufschlag bestand im zweitägigen Symposium Tanz & Elternschaft, das im September 2025 in den Münchner Labor Ateliers stattfand.
SYMPOSIUM TANZ & ELTERNSCHAFT
„Care-Arbeit darf die berufliche Karriere von Künstlerinnen nicht stoppen, sondern sollte in Produktionsprozesse und Förderlogiken aktiv integriert werden.“
Dieses Leitmotiv zog sich durch die zahlreichen Vorträge, Diskussionsrunden und Praxisbeispiele im Symposium „Tanz und Elternschaft – Strategien für faire Care-Arbeit in der Kultur“. Anlässlich des zehnjährigen Bestehens der Münchner Tanzbüros luden wir am 18. und 19. September 2025 zahlreiche Akteur:innen aus der Tanzszene, von Kultur- und Förderinstitutionen sowie aus der Politik in die Münchner Labor Ateliers ein, um sich über unterschiedliche Blickwinkel auf den Komplex Tanz und Elternschaft auszutauschen. „Solidarität, Empowerment, vor allem aber ein immenser Tatendrang waren [an diesen Tagen] zu spüren“, beschreibt Peter Sampel die Atmosphäre in der Besprechung des Symposiums auf tanznetz.de.
Mehr als 70 Teilnehmer:innen verzeichneten die beiden Symposiums-Tage, darunter viele aus dem gesamten süddeutschen Raum sowie internationale Speaker. Die Münchner Choreograf*innen Christina D’Alberto, Jasmine Ellis, Emmanuelle Rizzo und Léonard Engel brachten ihre Perspektiven in künstlerischen Beispielen und Diskussionsrunden ein. Das Freiburger Shibui Kollektiv stellte sich als Best Practice-Beispiel aus der Tanzpraxis vor, Nicole Fiedler und Jana Grünewald vom Dachverband Tanz Deutschland präsentierten wiederum Best Practice-Beispiele von Förderprogrammen. Schauspielerin Emilia de Fries und Regisseurin Elisa Müller ergänzten einige Gesprächsrunden mit den „Handlungsempfehlungen für elterngerechtes Produzieren“ des NRW Landesbüro Freie Darstellende Künste, während Anna Ehnold-Danailov, Angela Pickard und Marika Smreková internationale Perspektiven einbrachten. Mit Ute Gröbel, Lara Schubert und Karolína Hejnová waren Personen aus der Theaterleitung und Produktion, mit Daniela Rippl vom Münchner Kulturreferat und den Stadträt:innen Julia Schmidt-Thiel und David Süß der (kultur-)politische Blick vertreten.




©Sara Kurig
Das Symposium offenbarte ein differenziertes Bild der Realität von Care-Arbeit in der freien Tanzszene. Es zeigte sich deutlich und alarmierend, dass strukturelle Ungleichheiten nach wie vor bestehen, dass jedoch kreative, solidarische und wissenschaftlich fundierte Lösungsansätze auch in finanziell restriktiven Zeiten wie diesen entwickelt werden können. Eine verstärkte und nachhaltige Sichtbarmachung des Themas in unterschiedlichen Kontexten sahen die Teilnehmenden als elementare Voraussetzung für die angestrebten Veränderungen.
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